Kunstwerke

Die Wallfahrtskirche spielt auch in der Genueser Kunstgeschichte eine zentrale Rolle, denn sie wird als Vorbild der ligurischen Kirchen des 18. Jahrhunderts betrachtet. Vor allem aber zeichnet sich ihre Architektur durch die herausragende Qualität der mystischen Symbolik aus, mit der die Größe und Allgegenwart Gottes in bemerkenswerter Art und Weise künstlerisch umgesetzt werden. Der Grundriss der Kirche ist ein unregelmäßiges Achteck und damit eine Variante der barocken elliptischen Form. Entlang der Seiten des Achtecks spannen sich sechs Bögen – wobei sich die mittleren über die gesamte Höhe des Bauwerks erstrecken – und in den entsprechenden Räumen befinden sich die Kapellen. An den Hauptraum grenzen das Presbyterium und der Chor an, die zwar etwas schmaler, aber dafür sehr viel tiefer sind. Der Zugang zum Presbyterium und zum Chor erfolgt über zwei Seitentreppen, die oben durch eine Balustrade verbunden sind.

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Darunter befindet sich die durch ein wunderschönes Gitter abgegrenzte Kapelle der Madonna, die auch als 'Scurolo', eine Art ebenerdige Krypta, bezeichnet wird. Von hier aus führt eine breite Mitteltreppe nach oben. Jede der drei Treppenaufgänge hat fünfzehn Stufen und erinnert damit an die Stufen des Tempels in Jerusalem, auf denen die Pilger hinaufgingen, während sie die fünfzehn ‘Stufenpsalmen’ sangen. Die abwärtsführende Treppe und die zwei aufwärtsführenden Treppen kündigen überdies symbolisch den Weg der christlichen Bekehrung zu Gott an: zuerst muss man demütig ins eigene Herz hinabsteigen, um dann zu neuem Leben aufsteigen zu können. Daran erinnern uns sowohl die Schriftrolle aus Marmor, die zur Krypta herabführt: Der den Felsen in einen Wasserteich verwandelt, den Kieselstein in einen Wasserquell (Psalm 113), als auch der berühmte Text von Augustinus: ihr Menschenkinder, steiget herab, auf dass ihr euch erhebet; steiget hinauf zu Gott. Denn gefallen seid ihr, die ihr euch gegen ihn erhobt (Bekenntnisse 4, 12, 19).

Die Kapelle der Madonnetta ist selbstverständlich das innerste Zentrum des Wallfahrtsortes; die gesamte Architektur der Kirche strebt wie in einer großen Umarmung ganz natürlich dem Altar zu, der die Nische der Madonna beherbergt. convertit rupemDiese ist ebenfalls achteckig und gibt im Kleinen die Linie und das Dekor des Kirchenraumes wieder. Nun ist gerade die achteckige Linie besonders passend für diese Kirche, die von der Mutter Gottes für die geistig-seelische Auferstehung der Pilger gewollt wurde. Die Zahl Acht stand nämlich bei den Frühchristen für die Auferstehung Jesu, der am achten Tag auferstand. Darum ist auch in der Wallfahrtskirche auf den Altarsockeln der achteckige Stern zu finden, der den auferstandenen Christus symbolisiert.

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Der Fußboden der Kirche aus der Feder des Künstlers Schiaffino, ist durch einen Strahlenkranz aus weißem und aschgrauem Marmor gekennzeichnet (1740), der in der Mitte zu einer elegant profilierten achteckigen Öffnung zusammenläuft, von der aus die Pietà von A.M. Maragliano (1732) zu sehen ist, die sich in einer winzigen, mit den Passionssymbolen geschmückten Kapelle befindet.
An den Wänden der Wallfahrtskirche hängen zwanzig ovale oder gemischtlinige Medaillons, die heilige Reliquien enthalten und mit prachtvollem Goldstuck von Lavarello geschmückt sind. In der Kirche werden insgesamt über zwanzigtausend Reliquien aufbewahrt, was einen echten Rekord und einen unschätzbaren Wert darstellt. Oben erzeugt das durchbrochene und zurückspringende Kranzgesims eine eigenständige Untergliederung des Raumes und des Dekors: darüber erhebt sich das schmucklose Gewölbe, erhellt von den Fensterovalen.


Oberhalb des Eingangs befindet sich die Orgel, die von Lorenzo Roccatagliata (1733) und Carlo Giuliani (1844) in zwei Bauabschnitten mit intarsierter Doppeltastatur, Pedalklaviatur und vierzig Registern gebaut wurde. Das Vordergehäuse kommt aus dem Kloster in Albisola Superiore, während die Chorempore vom Schnitzkünstler De Negri gestaltet wurde. Vor kurzem wurde die Orgel restauriert und feierlich eingeweiht. 

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An den Seitenaltären von Carlo De Marchi (1737) sind sechs Tafeln von beträchtlicher Größe aufgestellt: Gürtelmadonna mit Augustinerheiligen (aus Milano, 1729), Jesus und die Mutter von Jacob und Johannes (G. B. Paggi, Mitte 1600), Mariä Verkündigung (Giuseppe Galeotti, 1738), Unbefleckte Jungfrau Maria (vermutlich von B. Guidobono, Ende 1600), Kreuzigung (Giovanni Raffele Badaracco, Ende 1600), Gebärende Madonna (vermutlich von B. Guidobono, Ende 1600). Der Hauptaltar von D. Stella (1715) wird durch das Holzkruzifix von Cambiaggio (Ende 1600) beherrscht, das durch einen bemalten und vergoldeten Baldachin geschützt wird. Es war eine Gabe an den Gründer, wurde aber erst 1763 an seinen heutigen Standort gebracht. An den Seiten des Altars befinden sich zwei große Reliquienkästen von Nicolò Pantano (1715). Oben in der Apsis thront die Holzstatue der Madonna, Königin von Genua (Domenico Bissoni, Ende 1500); während der darunter liegende Bereich vom herrlichen Holzchor (Francesco Parodi, 1868) dominiert wird, der mit Mariensymbolen der Litaneien geschmückt ist.

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Noch viel kostbarer ist die Madonna-Kapelle ausgeschmückt. Der mit Intarsia und einem reichen Ziborium verzierte Marmoraltar wird durch einen filigranen Tempel auf vier Alabasterspiralsäulen ausgestaltet. Er ist das Werk der Künstler F. Quadro, Gaggini und F. Schiaffino. Das Gewölbe und der hinterste Teil der Kapelle wurden von Guidobono mit Fresken zur Lobpreisung der Heiligen Jungfrau (1697) ausgemalt, während die Wände mit Marmor verkleidet und mit sechs Reliquien-Medaillons verziert sind. Die mit Goldfriesen verzierte Statue der Madonnetta stammt aus Trapani und ist eine Kopie der in der dortigen Stadt verehrten Madonna (G. Romano, Ende 1600). Im Jahre 1686 wurde sie von dem Kaufmann G. B. Cantone aus Savona nach Genua gebracht und dem Pater Carlo Giacinto von Isabella Moneglia Salvago nach dem Tod ihrer Mutter Eugenia geschenkt.

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Das Äußere der Kirche ist schmucklos; nur die Fassade und die Mauer um den Platz waren einst mit Fresken bemalt, die aber wegen ihrer Lage auf der Bergseite dem Lauf der Zeit und der Witterung zum Opfer gefallen sind. Im hinteren Bereich des Platzes befindet sich eine verschlungene Pietà (D. Parodi, 1700), die mit einem wunderbaren Mosaik aus schwarzen und weißen Steinen marinen Ursprungs bedeckt ist. Die Kunst der Wallfahrtskirche der Madonnetta verkörpert nicht nur die Inbrunst des Künstlers, sondern auch den Geist von Pater Carlo Giacinto und verkündet die Allgegenwart Gottes und Mariä Barmherzigkeit.